GeschichteGeschichte des MarktesHadersdorf am Kamp ist ein prähistorisches Siedlungsgebiet. Zahlreiche Bodenfunde stammen aus dem Neolithikum, der Bronze- und vor allem der frühen Hallstattzeit. Beim Bau der Kamptalbahn (1888/89) wurde in der Nähe des Bahnhofes von Hadersdorf ein großes Gräberfeld aus dieser Zeit entdeckt. Es handelt sich zumeist um Brandgräber. Auch Skelette aus derselben Zeit kamen zum Vorschein. Etwa 600 gefundene Gefäße und Bronzebeigaben wurden in das Naturhistorische Museum nach Wien gebracht. Weitere Funde wurden bei Ausgrabungen 1997 gemacht, als die Park & Ride Anlage beim Bahnhof errichtet wurde. Ein Schaukasten und eine Schautafel am Hadersdorfer Bahnhof informieren darüber. Die ausgestellten Fundstücke in der Vitrine sind Duplikate, angefertigt durch die ortsansässige Keramikkünstlerin Gerlinde Kail. Urkundlich wird der Ort bereits 1136 erwähnt als ”Werd, que nunc dicitur Hedreitsdorf”. („Wird“ weist darauf hin, daß der Ort auf einer Insel inmitten der Kampauen lag.) In einer Urkunde (1136) wird der Ort als ”Haderichsdorff” genannt. Er trägt seinen Namen von der Haderichen, den Herren von Nöstach-Schwarzenberg, deren Stiftung des Klosters Klein-Mariazell im Wienerwald Markgraf Leopold III. weiterführte. Grundherrschaftliche Rechte müssen die Gründer von Hadersdorf auch in Hadres, Jeutendorf-Pottenbrunn besessen haben. In einer Gründungsurkunde des Klosters Erla sind dieselben Herren unterschrieben. Die mit den Haderichen stammverwandten Falkenberger, nach ihnen die Kapeller und Ulrich von Eitzing, übten die Herrschaft über den Ort aus, der sich zu einem bedeutsamen Handelsplatz entwickelte. In Unkenntnis der wahren Bedeutung des Ortsnamens gab im Jahre 1514 Kaiser Maximilian I dem Markte sein bis heute gültiges Wappen, das zwei miteinander kämpfende, ”hadernde” Landsknechte zeigt. Diese Wappenfiguren wurden in der häufigen Verwüstung des Ortes durch durchziehende Truppen unerfreuliche Realität. 1619 hatte hier Graf Thun sein Hauptquartier. Starke Verwüstungen durch böhmische Aufständische waren die Folge. 1645 geschahen arge Plünderungen durch Schweden, 1805 und 1809 wurde der Markt von den Franzosen schwer heimgesucht. Steht man auf dem großen, baumbeschatteten Marktplatz von Hadersdorf, mag man sich in jene vergangene Zeit zurückversetzt fühlen. Kaum an einem anderen Ort wird man ein so geschlossenes, harmonisches Ortsbild finden wie hier. Ohne die Erfordernisse und Wohnbedürfnisse der Gegenwart zu beeinträchtigen, konnte hier nahezu die gesamte alte Bausubstanz bewahrt bleiben. Alte Bürgerhäuser mit Fassaden verschiedener Stilepochen zeugen vom damaligen Reichtum der Bürger. Ältestes Baudenkmal ist der am Übergang von der Spätromanik zur frühen Gotik stehende Karner (um 1260/80), der lange Zeit als Körnerkasten profaniert – mit den glücklich wieder gefundenen Bauteilen des Portals in seine ursprüngliche Gestalt gebracht werden konnte. Seit 1961 wird er als Aufbahrungshalle verwendet. Daneben die hübsche Wegkapelle Hl. Nepomuk mit Steinplastik aus dem Jahre 1750. Das Rathaus in seiner stattlichen Fassade der deutschen Renaissance (um 1574) atmet den Bürgerstolz des wirtschaftlich blühenden Marktes. Den Ratsaal schmückt eine Stuckdecke mit der Darstellung Maria Theresias und Josef II als Kind - eine Huldigung an das Herrscherhaus, die einige Jahre nach dem Durchmarsch kurbayrischer und französischer Truppen im österreichischen Erfolgekrieg (1741) politisch sehr aktuell war. Die Häuser des Marktplatzes lassen schon an ihrem Äußeren erkennen, daß hier einst eine behäbige Bürgerschaft saß. Viele dieser Bauten haben schöne Barockverzierungen. Aus einer Schenkungsurkunde des Kuenringers Heinrich von Zöbing geht hervor, daß unser Ort bereits im 9. oder 10. Jhdt. besiedelt war. Der frühere Name unseres Marktes war Wörth, später Haderichsdorf, nach einem Ritter Haderich, der höchstwahrscheinlich als Gründer des Ortes angesehen werden kann. Hadersdorf befand sich im 15. Jhdt. im Besitz der "Kapeller" (Nachkommen der Falkenberger) und war Lehen, die Herrschaft über das Landgericht in Hadersdorf hatte zu jener Zeit Stefan von Falkenberg, anschließend Ulrich von Grafenegg. In jenem Jahrhundert genoß der Ort bereits politische Bedeutung, in dem Sinn, als häufig Ständetagungen (Beratungen der Landesherren mit Prälaten, Rittern und Städtevertretern) abgehalten wurden. Im Jahr 1365 wurde Hadersdorf erstmals als Markt urkundlich erwähnt. Im Jahre 1514 erfolgte die Verleihung des Marktwappens mit Siegel durch Kaiser Maximilian, Herzog von Österreich. Durch diese Verleihung frei geworden, unterstand der Markt einem Hubmeister. Bürger mit allen Rechten waren früher jene Leute, die im Marktbereich Haus und Grundbesitz hatten. An der Spitze der Gemeinde stand ein Marktrichter, gewählt durch die gesamte Bürgerschaft, bestätigt durch den Vizedom, und war Vertreter der Landesfürsten. Dem Marktrichter zur Seite stand ein Marktrat, bestehend aus dem inneren und dem äußeren Rat. Eine wichtige Rolle hatte in diesem Rat der Kämmerer inne, dem die Verwaltung der Marktkasse oblag. “Wäre die Gemeindewirtschaft in jenen Jahren eine bessere gewesen”, heißt es in der Überlieferung, “hätte Hadersdorf einer der reichsten Märkte sein können”. Eine wichtige Persönlichkeit im Ort war der Marktschreiber. Vorübergehend erhielt Hadersdorf durch Ankauf von vizedömlichen Gütern auch das Landgericht, welches jedoch “in Unkenntnis der Rechtsausübung” durch Kaiserin Maria Theresia bald abgesetzt wurde. Wirtschaftlichen Aufschwung erzielte man im 16. Jhdt. Durch die Einführung bzw. Gewährung des Mautrechtes für die Benützung der Kampbrücke. Die Bevölkerung war damals in religiöser Hinsicht aufgesplittert, teils durch die aufkommende “Lutherische Lehre”, teils durch Bauernunruhen und den bald darauffolgenden 30-jährigen Krieg, während dessen eines der Hauptquartiere in Hadersdorf lag. Die ständige Verköstigung stationierter und durchziehender Truppen schwächte zusätzlich die wirtschaftliche Lage des Ortes. Durch die Plünderungen einfallender Schweden wurden die kleineren nahen Ortschaften, sowie der heutige Ortsteil Kammern arg in Mitleidenschaft gezogen und nahezu entvölkert. Während dieser Plünderungen gingen auch die Urkunden über die Marktprivilegien verloren, wurden jedoch im Jahre 1707 neu ausgefertigt und übergeben. Im 17. Jhdt. hatte Hadersdorf 65 Häuser, zu denen 10 ½ Viertel Weingärten und 11 ¼ Joch Acker gehörten. Daraus ist ersichtlich, dass die Erwerbsquellen der Bewohner nicht in der Landwirtschaft, sondern in Handel und Gewerbe lagen. Die vielschichtigen Gewerbestände waren mit heute noch bestehenden Häusern verbunden, die durch Erbschaft auf die Nachkommen übergingen. Das Einkommen der Gemeinde bestand u.a. aus Erträgen der gemeindeeigenen Äcker und Weingärten, dem Gemeindeziegelofen, Maut der Kampbrücke, Zins der Wohnparteien im Rathaus, Bestandszins von Fleischbänken und Brotläden, Salzhandel, Nutzungen bei den Jahrmärkten, Ausstellung von Geburtsbriefen usw. Um Schulden abbauen zu können, wurden im 18. Jhdt. die vizedömlichen Güter an das Stift Zwettl, Herrschaft Gobelsburg, verkauft. Im Jahre 1760 wurde der heutige Ortsteil Kammern, der bisher zur Pfarre Etsdorf gehört hatte, nach Hadersdorf eingepfarrt. Auch die Stifte Göttweig und Hohenfurth hatten in diesem Bereich reichen Besitz, der später in größerem Ausmaß an “Inwohner” der Bevölkerung verkauft wurde. Der heutige Ortsteil Kammern gelangte durch eine Schenkung an das Stift Zwettl zu Hadersdorf. Es bestand damals aus einem Hof und 28 Häusern, Eigentümer war Heinrich von Zöbing. Dieser Besitz leitete seinen Namen vom Kamp ab und wurde durch Ordensbrüder verwaltet, ging jedoch Mitte des 18. Jahrhunderts in Privatbesitz über. Nennenswerte Bauwerke dieses Ortsteiles sind der ”Meierhof” (Mühle) und der ”Zwettlerhof”, existieren heute noch und wurden, dem ursprünglichen Baustil angepasst, renoviert. Im ”Zwettlerhof” bestand eine kleine Kapelle, deren Glocke und Altarbild in der heutigen Kammerner Kapelle untergebracht ist. Der Weinbauort Kammern liegt am Fuße des Heiligenstein. Auf den Urgesteinsböden dieser Großriede neigen sich die Weingärten Richtung Süden und speichern die Wärme der Sonne, die den ganzen Tag auf den Terrassen des Heiligenstein liegt. Die verschiedenen Qualitätsweine werden von den Hauern direkt ab Keller bei einer gemütlichen Weinkost verkauft. |
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